Workshops: Vom Archiv ausgehend. Institutionelle Geschichte(n), Regime der Bildung, Künstlerische Praxen und Erinnerungspolitiken

Do, 21.04.2016, 10.00–16.30 Uhr, Mehrzwecksaal (Atelierhaus) der Akademie Wien. Mit der Arbeitsgruppe „Kunst, Pädagogik, Geschichte“ – Gila Kolb, Barbara Mahlknecht, Anna Schürch, Nora Sternfeld, Bernadett Settele

Workshop 1Material auslegen, Quellen stellen
(Gila Kolb, Anna Schürch, Bernadett Settele) 
Etwas tun mit historischen Objekten und Dokumenten aus dem eigenen Fach: Wie kann das gehen, wo führt das hin – und was hat das mit uns zu tun? Welche Inhalte, welche Kategorien fallen auf? Welche Verbindungen lassen sich ziehen? Mit einer „Leseprobe“ nach Achim Lengerer sollen im Workshop performative Ansätze der Lektüre erprobt werden.
Für die Teilnahme:
Bringen Sie bitte eine kunstpädagogische Quelle mit, die Ihnen strittig vorkommt und die Fragen aufwirft. Bereiten Sie Ihr Material bitte für den Workshop so auf, dass es am Workshop genutzt und ausgelegt werden kann (Originale, Kopien, Ausdrucke, Fotografie o.ä.). Und last but not least: Recherchieren Sie den Kontext Ihrer Quelle soweit, dass Sie diesen anderen vermitteln können.Als Quelle gilt all das, was über die Vergangenheit als Mittel zum Zweck der historischen Erkenntnis befragt werden kann.

Workshop 2Kunst für Alle? Das Völkische in der Bildung verlernen
(Barbara Mahlknecht und Nora Sternfeld)
Wenn „Kunst für alle“ propagiert wird, denken wir oft an eine bildungspolitische Forderung
nach Demokratisierung, es handelt sich aber möglicherweise auch um eine rechtspopulistische Vision. Denn wer sind alle? Und wer ist das Volk? Der Workshop widmet sich problematischen Strängen in der Geschichte der „Kunsterziehung“, ihren visuellen und völkischen Dimensionen. Ziel ist die Entwicklung eines Blicks dafür wie Diskurse und Bildregime ideologische Logiken organisieren. Als Propagandamedien erschienen im Nationalsozialismus u.a. zwei zentrale Kunstzeitschriften: Die Kunst im Deutschen Reich wurde im Parteiverlag für die „Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP“ herausgegeben. Darüber hinaus verlegte Hitlers persönlicher Fotograf, Heinrich Hoffmann, zwischen 1939 und 1944 die Zeitschrift Kunst dem Volk. Beide Zeitschriften, die Kunst dem Volk und Die Kunst im Deutschen Reich sind im Universitätsarchiv der Akademie der bildenden Künste verzeichnet; Die Kunst im Deutschen Reich wurde als Lehr- und Anschauungsmaterial im „Seminar Kunstbetrachtung“ an der Meisterschule für „Kunsterziehung“ verwendet.
Im Workshop werden wir gemeinsam Originalmaterialien sichten und erforschen. Wie sind die Kunstzeitschriften aufgebaut? Welcher Struktur folgen sie, welche Narrative und Topoi werden konstruiert? Wie lassen sich diese Motive lesen? Und was bedeutet es aus einer gegenwärtigen Perspektive in Kunst und Bildung mit diesen Materialien zu arbeiten? Welche Kontinuitäten lassen sich im Fach „Kunsterziehung“ bis heute nachverfolgen? Welche Effekte hat eine „völkische“ Formierung der „Kunsterziehung“ möglicherweise bis in die Gegenwart? Und wie lässt sich das Völkische in der Kunstvermittlung verlernen?

Foto: Gila Kolb